Küchenkraut des Monats
Mai: Bärlauch
Ein wirklich magisches Kraut

Die geballte Kraft des Frühlings trägt er in seinen Blättern. So wie der Bär nach dem Winter wieder aus seiner Höhle ans Tageslicht kommt, so zeigen sich die jungen grünen Spitzen im Frühlingswald. Unsere germanischen Vorfahren sahen im Bären ein Fruchtbarkeitsymbol und den Bezwinger des Winters. Dementsprechend wichtig war auch der Bärlauch. Viel Mythisches und Magisches ranken sich um ihn. Als „vertreibende“ Kraft gegen Böses und Blutsauger wurde er im Mittelalter eingesetzt. Im Altertum wurde aus seinen Säften ein Liebestrank hergestellt, der müde Männer munter machen sollte. Heute weiß man gesichert, dass er jede Menge positiver Eigenschaften auf den Organismus besitzt. Er soll Blutdruck senken und Gefäßverkalkungen vorbeugen. Auch bei Bronchitis und Magen/Darmbeschwerden kann er lindernd wirken.
In der Frühlings-Kräuterküche ist das Amaryllisgewächs mit den hübschen weißen Sternenblüten mittlerweile gar nicht mehr wegzudenken und hat eine wirkliche Renaissance erfahren. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Von angesetzten Essigen und Ölen über Butter, Aufstriche und Pestos bis hin zu raffinierten Küchenideen in Suppen, Gemüse-, Fleisch- und Fischgerichten. Bärlauch ist wirklich ein magisches Kraut!
April: Giersch
Der Giersch (Aegopodium podagraria) ist die einzige in Europa vorkommende Art der Gattung Aegopodium aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Der botanische Gattungsname Aegopodium leitet sich von griechisch αἴγειος = aigeos (für „von Ziegen“) und griechisch πούς-ποδός = pous-podos für Fuß ab und bezieht sich auf die Gestalt der Blätter, die an einen Ziegenfuß erinnern. Das Artepitheton podagraria weist darauf hin, dass diese Pflanze seit Jahrhunderten in der Volksmedizin zur Linderung der Schmerzen bei Rheumatismus und Gicht (Podagra) Verwendung fand; aus diesen Gründen trägt diese Pflanzenart auch die Trivialnamen Geißfuß, Dreiblatt, Ziegenkraut, Ziegenfuß bzw. Zipperleinskraut. Wiesenholler wird er genannt, weil seine Blätter dem Hollerbusch sehr ähnlich sind. Weitere Trivialnamen sind Schettele, Zaungiersch und Baumtropf.Giersch gilt bei Gärtnern als ein lästiges „Unkraut“; er breitet sich wuchernd aus und lässt sich wegen seiner unterirdischen Triebe nur schwer bekämpfen. Andererseits ist Giersch ein wohlschmeckendes Wildgemüse.

Merkmale
Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 30 bis 100 Zentimetern und hat einen kennzeichnend kantig-gefurchten Stängel. Die doppelt dreizähligen oder zweifiedrigen Laubblätter haben eiförmig-längliche, am Rand gesägte Abschnitte.Die zusammengesetzten doldigen Blütenstände sind flach und 12- bis 20-strahlig mit kleinen weißen Blüten. Es fehlen sowohl Hüllblätter als auch die Hüllchenblätter. Die Blütezeit reicht meist von Juni bis Juli.Die 3 bis 4 Millimeter langen, eiförmigen Früchte sind kümmelähnlich.Da der Giersch aus einem stark wuchernden Rhizom entspringt, können die Ausläufer Kolonien bilden. So verbreiten sich einzelne Pflanzen binnen weniger Jahre über große Flächen beispielsweise in Parks und Gärten.
Vorkommen
Der Giersch ist in fast ganz Europa und den gemäßigt-kontinentalen Gebieten des eurasischen Laubwaldgürtels verbreitet. In Nordamerika wurde er vom Menschen eingeführt. Er liebt stickstoffreiche Böden und tritt häufig in Gärten, schattig-feuchten Gebüschen und Wäldern auf.
Verwendung in der Küche
Giersch kann als Salat oder Gemüse zubereitet werden und erinnert in Geruch und Geschmack an Spinat und ein wenig an Petersilie. Er enthält viel Kalium, Vitamin C, Karotin und Eisen. Er soll gegen Rheuma, Gicht und Arthritis, außerdem krampflösend, entgiftend und blutreinigend wirken. Im Mittelalter, aber auch in neuerer Zeit wurde Giersch sowohl als Gemüse wie auch als Heilpflanze eigens angebaut. Mittelalterliche Quellen belegen, dass er in Kloster- und Bauerngärten eine „natürliche“ Nutzpflanze war. Da Giersch im Gegensatz zu vielen anderen Gemüsearten über eine lange Zeit im Jahr zur Verfügung steht und nur geringe Ansprüche an Boden, Wasser und Lichtversorgung stellt, sicherte er z. B. während der Weltkriege vielen Menschen die Vitaminzufuhr. Beim Sammeln ist darauf zu achten, eine Verwechslung mit ungenießbaren und sogar giftigen Arten von Doldenblütlern zu vermeiden (beispielsweise Gefleckter Schierling oder Breitblättriger Merk).Als Salat eignen sich – wie bei anderen Wildpflanzen auch – vor allem die ganz jungen, kaum entfalteten Blätter. Die rohen Blätter können auch in Aufstriche und Suppen gegeben werden. Wenn die Pflanze schon älter ist, sind die Blätter für einen schmackhaften Salat zu grob. Sie eignen sich dann aber nach wie vor zum Kochen, etwa für Aufläufe oder als Tee. Die Blätter werden dann vergleichbar dem Blattspinat gekocht bzw. gedünstet. Die Gierschstiele aber können bitter schmecken und werden im Zweifel besser vor dem Kochen entfernt.Meerschweinchen und Kaninchen fressen den Giersch sehr gerne, so dass er auch als Kleintierfutter dienen kann.









